Ineinander – Schatten – Aussen
zU DEN ZEICHNUNGEN VON JAKOB FLOHE

(...) Flohe hat von Anfang an gezeichnet. Er schätzt die formale wie ideelle Verknappung und Reduktion, zu der die Zeichnung fähig ist. Zeichnen heißt für ihn, einen Gedankenimpuls zu visualisieren – eine bildnerische Vorstellung spontan zu Papier zu bringen und dabei den manuellen Akt des Zeichnens an sich intensiv handzuhaben. Den Ausgangspunkt seiner meist klein- bis mittelformatigen Zeichnungen, die im Atelier in schneller Folge und großer Stückzahl hintereinanderweg entstehen, bilden keine konkreten, der sichtbaren Erscheinung der Welt entnommenen Motive klassischer Natur. Flohe lässt sich vielmehr von Empfindungen und Stimmungen leiten, die mit visuellen, akustischen und intellektuellen Wahrnehmungspartikeln aufgeladen sind und sich in grafischen Ausdruckswerten – Punkt, Strich, Linie, Form, Struktur, Kontrast, Schattierung, Rhythmus und Bewegung – auf dem Papier artikulieren. Der produktive Workflow entlädt sich im Spannungsbogen zwischen Reflexion und Reflex, zwischen der Beweglichkeit des Geistes und des Körpers. Dabei ist es unerlässlich, dass der Kopf frei und die Hand locker bleiben. (...)

Text von Mathias Wagner (Ausstellungskurator Staatliche Kunstsammlungen Dresden) im Katalog Signifikante Signaturen, Band 67: Jakob Flohe, hrsg. v. d. Ostdeutsche Sparkassenstiftung, Dresden 2017

Der Katalog ist erhältlich im Onlineshop des Sandstein Verlag und im Museumsshop der Städtischen Galerie Dresden!

Intuitionen

(...) Auch wenn Jakob Flohes Zeichnungen von innen heraus entwickelt sind, heißt das nicht, dass sie ohne die Anschauung der Welt und ihrer Gegenstände und ohne Wahrnehmung unseres Mit- einanders entstehen könnten. (Das ist völlig klar.) Aber – und das kann mitunter eine ungeheure Befreiung sein – es entbindet den Künstler von einem wie auch immer gearteten Zwang der Nachahmung und der Ähnlichkeit. Es befreit auch Sie als Betrachter, weil Sie nicht als erstes danach fragen müssen, was richtig und was falsch widergegeben ist. Sie können sich wertfrei und offen den Werken nähern. (...)

Eröffnungsrede zur Ausstellung „Intuitionen“ im Kunstverein Schwäbisch Hall e.V. von Dr. Carolin Quermann (Kustodin an der Städtischen Galerie Dresden), 21.3. – 7.6.2015

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“Das Timing zwischen Stillstand und Bewegung ...“

Jakob Flohe zeichnet. Mit Pinsel und Tusche auf Papier. Ohne große Umstände. Beinahe beiläufig und doch konzentriert. Figuren, Räume, Geschichten, Emotionen ...– die Essenz all dessen verbirgt sich in seinen Zeichnungen, ohne allzu offensichtlich in Erscheinung zu treten. Intuitiv und selbstvergessen scheint er in jedem neuen Blatt dem Wesen des Zeichnens nachzuspüren. (...) Eine Linie aufs Papier zu setzen – was so lapidar klingt, beinhaltet für Jakob Flohe einen ganzen Kosmos von Absichten, Zufälligkeiten, Widrigkeiten. Und Unterbrechungen. Denn gerade wenn die Linie ins Stocken gerät, wenn sie stolpert, dann offenbart sich ihre ganze Kraft. Denn die Linie ist bei Jakob Flohe nie selbstsicher, sondern immer auf der Suche nach sich selbst.

Ein kurzes Gespräch zwischen Mathias Wagner und Jakob Flohe zur Ausstellung "Jakob Flohe - Stumble / Zeichnungen" im PROJEKTRAUM AM WEISSEN HIRSCH Dresden, 3.12.2014 – 14.1.2015

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Ereignis Zeichnung

Jakob Flohes Zeichnungen ahmen keine Natur nach, noch erzählen sie eine Geschichte oder folgen repräsentativen Zielen. Die Blätter sind das Ergebnis einer Innenschau, die sich in der Bewegung der zeichnenden Hand auf dem Papier niederschlägt. Sie gleichen damit einem Ereignis, das sich vor unseren Augen vollzieht und dessen Zeuge wir werden: Sie geschehen. (...) Obwohl schlicht, sind die Werke von verblüffender Wirkmächtigkeit. In ihrem selbstverständlichen So-sein vermitteln sie eine zugleich spannungsreiche wie harmonische Gelassenheit. (...)

Text von Dr. Carolin Quermann im Katalog "Jakob Flohe - Tusche auf Papier", 2013

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Der Katalog ist erhältlich im Onlineshop der Städtischen Galerie Dresden!

OSTRALE´013 – Wir überschreiten den Rubikon

Die Linie, bzw. die Gerade als spezielle Linie, steht bei den Arbeiten des Künstlers Jakob Flohe als künstlerisches Mittel im Zentrum. In seinen Papierarbeiten, bei denen er mit verdünnter Tusche transparente Strukturen auf Papier setzt, widmet er sich dem Thema der Grenze, indem er den Bildraum aufs äußerste ausreizt und die klassische Einteilung zweidimensionaler Bildwerke in Bildraum und Rand in Frage stellt. Die Grenze des Bildes wird ausgelotet, eine klassische Perspektivkonstruktion wird überflüssig. (...)

Text von Moritz Stange (M.A.) im Katalog zur OSTRALE´013 – Wir überschreiten den Rubikon, 7. Internationale Ausstellung Zeitgenössischer Künste, 6.7. – 15.9.2013

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